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meine erde

written by Holger Just on November 24, 2006 and tagged with Comment.

Der Habi fühlt sich schuldig.

Wie ihr sicher wisst haben wir in unserer Jugend (“lang ists her”) Counterstrike gespielt. Ja sogar während den Pausen im Info-Raum (als das Netzwerk noch etwas lockerer war).

[…]

ist da was zurückgeblieben? Sind wir abnormal? Gar assozial?

Auch ich habe mit gespielt. Aus mir ist (soweit ich das beurteilen kann) trotzdem etwas vernünftiges geworden. Ähnlich sieht das auch der Habi:

Viele die ich kenne haben Counterstrike gespielt und sind keine Waffennarren oder blutrünstig geworden. Niemand von denen, mich eingeschlossen.

Die Frage bleibt trotzdem: Was sind die Gründe für den Amoklauf von ResistantX aka. Bastian B.? Und wie kann man so etwas in Zukunft verhindern?

Wenn es nach einigen Politikern ginge - allen voran mal wieder Herr Beckstein - dann sollten die sogenannten “Killerspiele” nicht nur verboten werden, sondern sogar “in der Größenordnung von Kinderpornographie eingeordnet werden, damit es spürbare Strafen gibt”.

Nun ja, ich denke, Herr Beckstein weiß nicht, wovon er redet. Habi würde ihn sogar gern vor Gericht sehen, “wegen pauschaler Verunglimpfung”.

Denn wer fordert das Spieler von PC Spielen […], Strafen erhalten sollen, die im Bereich der Verbreitung von Kinderpornographie liegen, gehört nicht in die Politik.

Sein Argument hingegen, dass derjenige, der die Spiele und den damit Verbundenen Unterschied zwischen Realität und Fiktion nicht versteht, auch nicht Spielen soll, zieht nicht so richtig. Dieser Hinweis wird niemanden vom Spielen abhalten.

Die Frage, die sich viel eher stellt, ist ob die Zahl der Personen, die das betrifft, überhaupt relevante Größenordnungen erreicht. Sonst könnte man auch hingehen und Messer verbieten, weil sie Menschen verletzen können - blöde Argumentation, aber trotzdem treffend.

Sicher haben einige Spiele zum Inhalt, andere Personen zu töten. Sie tun dies in aller Regel aber nicht gewaltverherrlichend, wie es offenbar gern von Herrn Beckstein oder Herrn Schünemann angenommen wird. Gewaltverherrlichende Spiele sind in Deutschland aus guten Grunde auch bisher schon indiziert worden und dürfen weder beworben werden noch an Jugendliche unter 18 verkauft werden. Ein Verbot ist meiner Meinung nach nur in absolut krassen Fällen möglich. Alles andere ist ein Verstoß gegen Paragraph Artikel 5 Grundgesetz

Einen Verbotsvorstoß einiger CDU-Politiker halte ich darum für verfassungswidrig und nebenbei auch sinnlos. Schon allein deswegen, weil er meiner Meinung nach mit großer Sicherheit dazu führt, dass die Spielekultur in den Untergrund absickert, wo sie noch weniger bzw. gar nicht kontrollierbar ist.

Abgesehen davon liegt das Problem ganz woanders. Inzwischen ist es auch schon mehrfach niedergeschrieben worden. Meist kurz nach Attentaten, wenn sich mal wieder einige Politiker mit Verbotsgeseiere profilieren wollten. Einerseits wird ein immer härteres Vorgehen gegen die jeweiligen Täter (die meist selbst Opfer sind) gefordert. Andererseits werden die Ausgaben für Bildung immer weiter zurückgefahren. Es wird zwar immer wieder mal von Ganztagsschulen gesprochen, wirklich umgesetzt wird davon allerdings eher wenig. Durch das kontinuierliche Zurückfahren von Betreuungsleistungen (ob nun offen oder verdeckt, wie es z.B. bei unterlassenen Neueinstellungen oder Weiterbildungen von Lehrkräften der Fall ist) werden die Schwächsten zunehmend vom Rand der Gesellschaft herunterfallen.

Die Amokläufe der letzten Jahre sind nicht plötzlich aus heiterem Himmel passiert. Die Schüler haben alle versucht, auf sich aufmerksam zu machen, wurden aber leider nicht wahrgenommen. Die Gründe dafür liegen meiner Meinung nach zum größten Teil an eben diesem Schulsystem, in dem nicht auf “Problemfälle” Rücksicht genommen werden kann. Hier muss der echte Ansatz zur Lösung des Problems liegen.

Diese Lösung kann und ist nicht der Ruf nach dem Verbot von “Killerspielen”. Solch geistiger Dünnpfiff allein sollte schon zum Rücktritt der jeweiligen Politiker ausreichen.

Den (wahrscheinlich) echten Abschiedsbrief von Bastian B. findet man übrigens bei Marcel Bartels. Ich lese dort die Gedanken eines verbitterten Jugendlichen der von der Gesellschaft nicht akzeptiert wurde.

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