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meine erde

written by Franziska Schulze on November 28, 2006 and tagged with Université Libre de Bruxelles.

Weil mir noch mal das Wort erteilt wurde, schreibe ich nun eine nächste Episode aus meinem belgischen Studentenleben. Heute möchte ich euch nämlich erzählen, was ein “TD” ist. Die Buchstaben stehen an sich erst mal für thé dansant, was auf Deutsch nichts anderes bedeutet als Tanztee. Dieser Begriff im Deutschen lässt einen ja eher an ältere Herrschaften denken, die sich am Sonntagnachmittag zum Tanze treffen. In Verbindung mit den belgischen TDs ist das eine ganz falsche Assoziation.

Das Besondere bei einem TD hier ist, dass man sein Bier (es gibt da eigentlich nur Bier) nie ganz austrinkt, sondern den Becher mit einem Rest drin einfach in die Luft wirft. Hm, das klingt sicher ein wenig komisch… also, wie muss man sich das vorstellen?

Also ganz von vorne, zu einem TD sollte man nicht unbedingt seine besten Sachen anziehen, insbesondere sollten es nicht die besten Schuhe sein. Ich habe euch ja schon von den Cercles erzählt – wenn man bei einem TD war, weiß man, dass es hier einen Zusammenhang zwischen den Traditionen gibt, denn das schon beschriebene Outfit der Mitglieder der Cercle eignet sich super für einen TD. Insider unter den Erasmus-Studenten waren auch so schlau, sich ein Basecap auf zu setzen. Ich weiß jetzt auch, warum die Umhänge von denen immer so dreckig sind, aber erst mal weiter…

Es gab nun also extra einen TD für die Erasmus-Studenten und da sich das keiner entgehen lassen wollte, sind wir da alle hin. Der Ort, wo das stattfand, schien richtig dafür gemacht zu sein – es war eine Halle, die an eine Fabrikhalle erinnert hat und wie soll man sagen, es war sehr puristisch dort (aber auf dem Campus – es ist eben hier Teil der Tradition). Als wir dort ankamen, waren wir froh, dass es so etwas ähnliches wie eine Garderobe gab, damit unsere Jacken wenigstens hinterher noch sauber sein würden. Die TDs werden immer von den Cercles veranstaltet (man kommt da NUR als Student rein) und als wir da ankamen waren da auch schon genügend von denen da. Sie haben sich z. T. das Gesicht blau gemalt (war die Farbe dieses Cercles) und mit den Umhängen und den Kappen sahen die schon ein wenig beängstigend aus. Als wir das erste Bier (pro Becher 1 Euro) gekauft haben (Insider kennen ja meine Einstellung dazu), haben wir uns dann auch auf die Tanzfläche gewagt. Von Anfang an flogen natürlich die Becher. Es ist aber auch nicht so, dass man immerzu welches abbekommt. Bei diesem TD waren auch viele der frisch getauften Bleus – mich erinnerte das so an die Phase, wo man gerade von zu Hause weg ist und seine ersten Erfahrungen machen will. Das kommt hier auch hin, weil die Erstis ja, wie gesagt erst 18 sind. Im Grunde kann man auf diesen Partys machen, was man will, mal so richtig aus sich rausgehen. Es kann zum Beispiel vorkommen, dass einer direkt auf die Tanzfläche kotzt oder wenn man jemanden anrempelt und das ganze Bier über die Schulter eines Dritten läuft, dann ist das normal. Ich glaube, dass ich nicht erwähnen muss, dass eine solche Umgebung die zwischenmenschlichen Kontakte, sagen wir, beflügelt – oder anders ausgedrückt, wenn man dringend jemanden sucht, dann kann man hier, da der Alkohol ja mithilft, leicht jemanden finden. Was in manchen Ecken geschieht, brauche ich dann wohl nicht näher auszuführen. Fernab von dem ganzen Bier, kann man da echt gut feiern – die Musik war echt gut, eben solche Lieder, die alle kennen und wo jeder zu abgehen kann. Am Ende der Party war natürlich alles reif für eine Wäsche und interessant war auch der Anblick der ganzen vom Alkohol fertigen Leute, die vor diesem Raum saßen. Wie der Fußboden aussah, brauche ich, glaube ich nicht zu beschreiben – ich weiß auf jeden Fall, warum ich meine Hosen hoch gekrempelt hatte. Das Fazit des Abends war, dass es auf jeden Fall eine interessante Erfahrung war – irgendwann ist einem die Sache mit dem fliegenden Bier auch egal, denn man sagt sich, dass ja alles waschbar ist. Man kann auf einem TD auf jeden Fall sehr gut feiern und es hat auch was für sich, wenn man sich nicht immer für eine Party so chick machen muss.

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